So......da ich es irgendwann mal angekündigt habe und
es mir deswegen nicht mehr aus dem Kopf geht (das kleine
Gewissensmännchen nervt

) heiße ich heute Euch
Willkommen zum Thema:
So gründet man einen
Verlag....
Dieses Thema dürfte sicher nur die
Cracks unter Euch interessieren, deshalb der Rat an alle, die
newcomermäßig im Ü-Raum Ihren ersten Auftritt vorbereiten:
Schnell weg und den threat wechseln, es wird knochentrocken
und langweilig
Fuer die
Musiker unter Euch die schon etwas weiter sind, für die
Auftritte zum Pflichtprogramm gehören und vielleicht auch Ihr
Geld mit Ihrer Musik schaufeln, denen sei empfohlen:
Aufgemerkt!!
Denn entweder Ihr habt schon erste
Veröffentlichungen nachzuweisen und seid dann auch unter
Verlagsvertrag, Ihr bewerbt Euch bei Plattenfirmen und
Verlagen und bekommt nur Absagen oder Ihr steht kurz davor
einen Vertrag zu unterschreiben und fragt Euch, wieso und
weshalb verdammt noch mal brauche ich eigentlich einen
Verlag?
Nun, wer bis hier noch nicht schreiend
weggeklickt hat, weiß sicher welche Aufgaben zu einem Verlag
gehören (wenn nicht, sei versprochen, dass ich demnächst nen
Workshop dazu veröffentliche...).
Kurz, knapp und
deswegen natürlich unvollständig angerissen sind diese
eigentlich nur, die Werke seiner Vertragspartner (Urheber,
also Komponisten und Texter) bei der GEMA anzumelden, den
Tantiemenverkehr zwischen GEMA und Urheber zu gewährleisten
(also Konto einrichten und alle halbe Jahr ne Überweisung nach
Abstrich der eigenen Punkte an die Urheber einleiten) und
Notenblätter der Werke drucken zu lassen um sie zu verkaufen.
(*lööööl*, das war mal irgendwann im letzten Jahrtausend Gang
und Gebe, da haben die Verlage damit tatsächlich Ihr Geld
gemacht ).
Dass das natürlich ein bissel wenig für durchschnittlich 40% der gesamten GEMA-Tantiemen ist, weiß inzwischen auch der kohlengierigste Onkel Dagobert und deshalb sehen sich Verlage heutzutage u.a. auch mehr und mehr als ne Art Vermittler zwischen den Künstlern und dem restlichen professionellen Business.
In anderen
Worten: Oft werden Nachwuchsbands oder –interpreten von
Verlagen unter Vertrag genommen, um dann in einem vom Verlag
ausgesuchtem Studio produziert zu werden
(vielleicht auch
noch im eigenen Verlagsstudio um sich dann noch Bearbeitungs-
und die Produzentenpunkte von der Produktion reinzureißen

) und diese Produktion
dann auf dem Markt bei z.B. Plattenfirmen anzubieten und eine
Zusammenarbeit anzustreben.
Deshalb sind Verlage auch
gut und wichtig, vorausgesetzt der Verlag heißt Ufa-BMG,
EMI-Music, Polygram Songs oder Progressiv-Publishing

da ist der
Major-Deal dann schon fast in der Tasche, oder aber der Verlag
hat wenigsten saugute Kontakte zu Branche (aber –hey- es wird
auch echt viel gelabert, wenn der Tag lang ist

).
Hat aber eine
Plattenfirma schon Interesse an einer Zusammenarbeit mit Euch
angekündigt oder aber Ihr kriegt Eurer Material einfach nicht
bei einem Verlag an den Start, so besteht natürlich die
Möglichkeit, sein eigener Publisher zu werden.
Wozu
braucht man wohl noch einen Verlag, wenn die Vertriebswege und
Promoaktivitäten schon von einem Label gesichert sind? Nur um
noch einer Firma über ein Drittel seiner zu Erwartenden
Tantiemen aus Airplay und Abverkäufen in den Rachen zu werfen?
Um dann Notenblätter drucken zu lassen??
„Nö nö“, ist
die berechtigte Reaktion eines jeden klar denkenden
Wirtschafters..., „Dagegen hilft nur eins: Wir gründen jetzt
unseren eigenen Verlag und wenn tatsächlich mal nen großer
Publisher die Taschen für uns aufmachen will, dann kriegen wir
wenigstens einen Teil der Verlagspunkte mit ab...“
Großartige
Idee. Um diese zu realisieren, hier nun eine Anleitung wie man
stressfrei einen solchen aus dem Boden
stampft.
Zuerst sei gesagt, einen Verlag zu
gründen ist absolut easy aber natürlich mit Kosten verbunden.
Deshalb rate ich noch mal allen Musikern die noch am Anfang
Ihrer Kariere stehen: Kommt bloß nicht auf die Idee jetzt
einen Verlag zu gründen, weil es dann professioneller aussieht
und man sich als „Großer“ fuehlen kann...
Das ist denkbar
unnötig, viel wichtiger ist es, dass Ihr weiter gute Musik
schreibt und diese dann erst mal einem kreischenden Publikum
vorstellt. Damit habt Ihr erst mal genug zu tun
Fuer
alle Anderen wurde nun genug gelabert, jetzt geht’s an die
Materie:
Zuallererst müsst Ihr bei der GEMA in Berlin
anrufen (Tel: 030-21245-00) und einen Aufnahmeantrag für
Musikverleger erbitten. Fragt bei der Gelegenheit gleich, ob
Euer ausgedachter Firmenname ( „Ruck-Zuck-Dick-Publish“ oder
„Musik for nothing-Verlag“

) auch noch nicht
vergeben ist, die GEMA ist zu dieser Aussage verpflichtet und
es erspart ne Menge Nerven, wenn der Name schon von wem anders
verwendet wird.
Dann solltet Ihr (wenn nicht schon
gemacht) zum Ordnungsamt und den Verlag gewerblich anmelden.
Das ist aber ab da mit steuertechnischen Veränderungen
verbunden, unbedingt noch Fachmänner/-frauen zu Rate
ziehen!!!
Beim Musikverlegerverband (Deutscher
Musikverlegerverband e.V., Friedrich-Wilhelm-Straße 31, 53113
Bonn) könnt Ihr schon mal handelsüblich
Verlagsvertrags-Vordrucke anfordern um dann mit den Urhebern
die Ihr verlegen wollt, Verträge zu schließen. Das könnt
natürlich auch Ihr selbst sein, die GEMA muß halt nur gültig
unterschriebene Verlagsverträge vorliegen haben damit klar
ist, dass Ihr auch Aufgaben eines Verlages tätigt. Dazu gehört
z.B. Urheber zu verlegen und entsprechende Verträge mit Ihnen
zu haben *logisch*
So
und jetzt geht es das erste Mal richtig an den Geldbeutel (die
50,- DM fuer die Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt rechne ich
jetzt mal nicht mit ein...)
Um von der GEMA als Verlag
anerkannt zu werden muss eine Grundvoraussetzung erfüllt
werden nämlich der angesprochene Notendruck.
Unglaublich aber wahr, um der GEMA glaubhaft zu
unterbreiten, dass man jetzt Verlag ist/sein möchte, müssen
Auflagen von vor wasweissich für viele hundert Jahren erfüllt
werden. Aber egal, wie gesagt es müssen Noten von mind. zwei
Werken der Künstlern, die Ihr unter Vertrag habt „gestochen“,
also auf Papier gebracht werden, in je doppelter Ausführung
her.
Fangt jetzt bitte nicht an, die Noten über ein
schlaues Programm umrechnen zu lassen und dann auf Papier zu
drucken, das funzt Hundertprozentig nicht!!! Die GEMA will
nämlich richtiges Notenpapier, also mit richtigem Layout,
Satzspiegel und vor allem dem richtigen Format. Die
Notenpapiere muessen sich nämlich notfalls von einem Dirigenten
auf seinem Notenblattständer so umblättern lassen können, dass
sie nicht zurückblättern und auf einen Blick zu erkennen
sind.
Also: Ihr schickt Euer Arrangement des Songs (am
besten in Klavierform) zum Notenstecher. Die Klavierausgabe
besteht aus drei Notenlinien-Systemen: Der Gesangsmelodie
unter der dann auch der Text des Songs steht, der eigentlichen
Klavierlinie (Akkorde, Harmonien) und der
Basslinie.
Einfacher ausgedrückt...
Ihr schickt
Eure beiden Titel (am besten die, die nicht lünger als 3-4
min. dauern, Kostenfaktor!) an eine Notenstecherei und diese
dann jeweils zwei Ausgaben der Songs auf Notenpapier wieder an
Euch zurück.
Kosten für zwei „normal“ lange Songs in
doppelter Ausfertigung liegen bei ca. 400 bis 500
DM.
Und das wars im Großen und Ganzen auch schon
(wer hätte es gedacht, geht auch mal locker
.gif)
)
Ihr
sendet also die zwei doppelten Ausgaben Eurer Notenblätter,
zwei Titelverlagsverträge, eine Kopie Eures Gewerbescheins und
den ausgefüllten Aufnahmeantrag für Verleger plus den zwei
Titelvertägen mit den Urhebern der Werke zur GEMA und habt die
wesentlichen Punkte schon erfüllt.
Jetzt braucht Ihr
nur noch dafür zu sorgen, dass Eure Verlagswerke öffentlich
aufgeführt, gesendet oder auf Ton- oder Bildträger
vervielfältigt und verbreitet worden sind...
Also einfach
ein paar Konzerte angeben auf denen die Songs gespielt wurden
oder, wenn schon da, die frisch gepresste CD mit den Titeln
der GEMA angeben oder gleich mit bei
packen.....
Wenn Ihr dann noch 200,- DM
Aufnahmegebühr und 50,- DM Jahresbeitrag aufs GEMA-Konto
überweist und die Kopie des Überweisungsträgers mit beilegt,
könnt Ihr Euch nach einer gewissen

Wartezeit glücklich
und ehrlich „Musikverleger“ nennen!!!
Tja,
auch wenn man es nicht glauben will oder kann: So einfach kann
das Leben auch mal sein....
Ich sende
Euch jedenfalls noch „boomende“ Grüße und lasst es Euch weiter
gut gehen........Martin