Jo. Nächster Workshop. Speziell für den netten Menschen, der WHOOPEE TAYOH jetzt am Freitag aufgenommen hat. Besten Dank nochmal
Diesmal gehts
um
STEREO-MIKROFONIE
Fettes
Thema. Okay, erstmal "wofür Stereoaufnahmen?"
Ganz
einfach: Klassikaufnahmen. Oder die Overheads am Drumset. Oder
Ambience-Mikrofone bei einer Studioseission. Auch 'n Flügel
klingt in Stereo oberfett. Oder natürlich die Aufnahme eines
Konzertes. Aus'm Pult raus klingt das immer mies, da ja die
ganze Anlage und der Mix EQ-mässig und Dynamisch der PA und
dem Raum angepasst sind.
Wichtig dafür ist erstmal
'n guter Raum und natürlich ein ausgewogenes Klangbild, was
von den Musikern 'rüberkommt. Wenn alles scheppert, kann die
Aufnahme auch nix werden
Grundsätzlich
gibt's erstmal zwei Arten, Stereophonie wahrzunehmen.
Einerseits durch Pegelunterschiede zwischen den beiden Kanälen
(oder Ohren) andererseits durch Laufzeitunterschiede. heisst
soviel wie: Ein Geräusch von Rechts erreicht zuerst das rechte
Ohr und eine kurze Zeit später erst das linke. Um ein Signal
von nur einer Seite in Lautsprechern zu simulieren ist etwa
eine Laufzeitdifferenz von 2ms nötig, entspricht etwa 70cm
Abstand. Kommen wir später nochmal drauf. Reine
Laufzeitstereophonie ist eigentlich unmöglich, da immer auch
Pegelunterschiede zwischen den Kapseln
auftreten.
Bei der Auswahl der Mikrofone wählt man
möglichst Kondensatormikrofone, da Dynamische nicht so linear
in ihrem Frequenzgang sind. Oberwichtig: Dieselbe Phasenlage
beider Mikrofone!!
In der Intensitätsstereophonie
gibt's zwei Verfahren. M-S-Aufnahmen und X-Y-Verfahren.
Wichtig bei beiden verfahren: Die Mikrofone müssen möglichst
dicht beieinander plaziert werden, um halt
Laufzeitunterschiede so gering wie möglich zu halten. Der
Idealfall wäre dieselbe vertikale Achse.
Das
wirklich beste Verfahren ist die M-S-Aufnahme. Hat echt schon
fast Tradition...

Wichtig bei der
Entwicklung dieses Verfahrens war die absolute
Monokompatibilität. Sogar heute noch schauen die
Sendeanstalten auf dieses Merkmal. Das ist wichtig, damit
nicht bei einer monofonen Wiedergabe einer stereophonen
Aufnahme Soundschmierereien oder Lautstärke-Balance-Probleme
auftreten.
Dazu nimmt man einfach 'n Micro mit
Nieren- oder Supernierencharakteristik und richtet das direkt
auf den Klangkörper aus. Dieses Micro liefert nachher das
sogenannte M-Signal. Das zweite Micro muss eine
Achtercharakteristik besitzen, muss also 'n
"Druckradientempfänger" sein. Das Ding wird um 90° nach links
gedreht ausgerichtet, also im Prinzip auf die linke Wand.
Dieses Micro liefert uns das S-Signal. Sieht dann nacher so
aus:
Mit
den beiden Signalen können wir erstmal nich viel anfangen, die
müssen erstmal das Stereosignal erzeugen. Das geschieht durch
Addition oder Subtraktion der Signale.
Links = M +
S
Rechts = M - S
Die Schnittpunkte der
Charakteristiken (P
L und P
R) erzeugen Signale in jeweils nur einem Kanal.
Bei P
L ist die Phase und der Pegel bei M-
sowie S-Signal gleich, bei P
R haben wir
genau entgegengesetzte Phasenlage.
Ist auf der
ersten Grafik ganz gut nachvollziehbar.
Der Winkel
zwischen den beiden Punkten ist übrigens der Aufnahmebereich
den wir zur Verfügung haben. In unserem Beispiel 106°. Ändern
wir jetzt einfach den Pegel eines Mikrofons, ändern wir auch
gleichzeitig den Aufnahmebereich. Damit kann ich die räumliche
Ausdehnung einer Aufnahme noch nachträglich am Mischpult
bestimmen!! Völlig geil!
Okay.
Wie matschen wir jetzt die beiden Signale zusammen, dass da
dann auch was bei 'rauskommt? Ganz einfach: durch's Pult
jagen. dazu legen wir das S-Signal auf zwei getrennte Kanäle,
wobei wir den einen mit dem Panoramaregler ganz nach Links
drehen und den anderen nach Rechts. Den rechten Kanal ändern
wir jetzt noch per "Phase"-Switch am Pult in der Phasenlage.
Das M-Signal kommt jetzt einfach auf einem dritten Kanal an,
der im Panorama in der Mitte gelassen wird. Sieht nacher so
aus:
Geht
auch mit einem Summen-Differenz-Verstärker. Wer den Schaltplan
zum Selberbasten braucht, einfach posten. Das Ding macht halt
aus dem M-S-Signalquatsch 'n vernünftiges Stereosignal. Ist
auch regelbar das Ganze, von wegen räumliche
Ausdehnung...
Mono ist ja bekanntlich die Addition
der beiden Stereokanäle. Machen wir das doch mal für unsere
Formel von vorhin.
Mono = Links + rechts
=
(M + S) + (M - S)
= 2M
Also 100%
Monokompatibel unsere Aufnahme! Und nachträglich in ihrer
Räumlichkeit regelbar! Und die Richtungsgetreuste von allen!!
Na? dafür hat sich die scheiss Rechnerei doch gelohnt, oder??
Jetzt
wirds auch entspannter

X-Y-Verfahren. Dazu
nimmt man einfach zwei Nieren-Mikrofone, am besten die
Gleichen. Beide werden nun um denselben Winkel bezüglich der
Mittelachse voneinander weggedreht. Somit haben wir bei
unterschiedlichem Schalleinfall auch unterschiedliche Pegel in
den beiden Mikrofonen. Der Öffnungswinkel bestimmt jetzt den
Aufnahmebereich. Nierenmicros haben für direkt von hinten
einfallenden Schall in der Regel eine Dämpfung von etwa
20...25 dB. das ist auch der Pegelunterschied, den wir
benötigen, um das Gefühl zu erzeugen, das Signal kommt aus nur
einem Lautsprecher. Drehen wir also beide Mikrofone um 180°
auseinander, so wird ein Signal von ganz Rechts ein Signal nur
in dem rechten Lautsprecher erzeugen, links ist dann um
20...25 dB leiser. In diesem Falle also Öffnungswinkel gleich
Aufnahmebereich.
Verringern
wir jetzt den Öffnungswinkel, erhöht sich der Aufnahmebereich,
da sich die Richtungen der maximalen Pegeldifferenzen nach
hinten verschieben. Umgekehrt natürlich
dasselbe...
Praktisch
bedeutet das für Nieren einen Öffnungswinkel von etwa
130...190°. Das reicht im Normalfall aus um eine genügende
Ausdehnung der Stereobasis abzubilden. Am Drumset kann man
etwas weniger nehmen (Overheads). Auch bei der X-Y-Aufnahme
ist auf eine möglichst genaue Aufstellung zu achten was die
vertikale Richtung angeht. Denn sonst gibt es hier
Laufzeitunterschiede, die sich nachteilig auf das Klangbild,
aber auf jeden Fall auf die Monofone Wiedergabe auswirken. Die
ist übrigens nicht ganz so kompatibel wie das
M-S-Verfahren.
Vergleichen wir die beiden
Aufnahmeverfahren jetzt stellen wir fest, dass ja eigentlich
X-Y-Aufnahmen dasselbe räumliche Ergebniss liefern müssten wie
eine M-S-Aufnahme. Nur ist es so, dass Richtcharakteristika
wie Niere oder Verwandte eine Klangfärbung für Schall aus
seitlicher Richtung aufweisen. Das ist natürlich im Grossen
und Ganzen eine Höhenabsenkung. Bei X-Y weisen die Mikrofone
niemals auf den Klangkörper direkt, sondern immer "daran
vorbei". Bei M-S hingegen weist das Nierenmikrofon direkt auf
die Schallquelle, der Druckradientempfänger zeigt einen nahezu
linearen Frequenzverlauf für alle Richtungen. Somit ist die
M-S-Aufnahme schon viel brillianter und räumlicher als
X-Y-Versionen. Ausserdem kann ich ja bei M-S die Stereobasis
nachträglich noch in die Breite ziehen...
So. Jetzt
habe ich erstmal keinen Bock mehr.

Laufzeitstereophonie
vielleicht später mal

Fragt, wenn's Euch
interessiert!
Viele Grüsse, boom.
