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Multibandkompression

Nee, is echt nix für mich... Da schreibe ich Euch lieber das Tut hier, denne wird's auch WIRKLICH laut
Auf die Plätze... fertig... denne mal zur Mehrbandkompression


Erstmal wozu das und was ist das?


Was Kompression ist, ist wohl mittlerweile klar, wem nicht, der schaue bitte in's "Mischen"-Forum. Bisher machte es ja den Eindruck, als wäre der Kompressor die Lösung all unserer Lautheitsprobleme. Spätestens der, der mal versucht hat, einen extrem Tiefbassreichen Track (und damit meine ich TIEEEEEFBASS - so 40Hz abwärts) versucht zu mastern, wird die Feststellung gemacht haben, dass der Kompressor den Track leider völlig verpfuscht hat und am Ende nur noch pumpende Matsche übrig war.


Jau. Und ab da hilft dann die Mehrbandkompression. Vorher will ich noch erwähnen, dass auch das nicht immer die Lösung ist! Kommt ganz auf den Track an! Manchmal ist's vielleicht am Besten nur einen Fullrangecomp, Bandsättigung und Limiter, damit's geil fett Klingt. Lautstärke ist nicht immer alles! Bei rein elektronischer Musik macht sich eine grosse Lautheit meistens gut, Dancetrax müssen eigentlich als Wellenform aussehen wie ein Balken, aber bei Soul oder Jazz oder Reggae oder HipHop oder wasweissich da klingt das meistens scheisse, weil dadurch jegliche Eigendynamik der akustischen Instrumente zunichte gemacht wird. Bei der Mucke passiert sowas schon im Mix, nicht erst im Master. Wir wollen's jetzt aber erstmal Brettlaut.


Mehrbandig komprimiert man, um die Regelvorgänge in den Frequenzbereichen voneinander zu trennen, damit die Bassdrum nicht das Crashbecken leiser werden lässt, obwohl's noch im Rahmen wäre. Dazu trennt man das Signal in verschiedene Baänder, die dann bearbeitet oder unbearbeitet am Ende wieder zusammengemischt werden. Ich male mal'n Plan für den C1 im "Splitbetrieb" (Betriebsart für's mehrbandigen Komprimieren) auf.





Bei (1) wird das Signal gesplittet und in zwei Filter geschickt, wobei der eine in unserem Beispiel 'ne Bandsperre ist (2) und der andere 'n Bandpass (3). An denen stellt man den zu bearbeitenden Bereich ein. Beide Filter arbeiten in Abhängigkeit voneinander, was sich in der Abstimmung eines Gerätes bei der Entwicklung als äusserst schwierig darstellt, da, wenn das Signal bei (6) zusammengemischt wird und der Kompressor nicht arbeitet (Ratio 1:1) es genauso klingen soll, als wäre gar kein Gerät dazwischen obwohl das Signal zwei Filter durchläuft und wieder summiert wird. Die Waves-Dinger machen das übrigens schon ziemlich geil!! Nach dem Bandpass wird das Signal abgezweigt und gleichgerichtet (4). Diese Spannung wird die Steuerspannung für den eigentlichen Verstärker, den Kompressor. Diese Spannung wird über die verschiedenen Einstellungen wie Attack, Release, Ratio, Threshold etc... beeinflusst. Und die steuert dann die (negative) Verstärkung des VCA's (5). Danach folgt der Regler für Makeup und dann der Summierer (6).


Bei einem normalen Kompressor denkt Euch einfach die beiden Filterstufen (1)+(2) und die obere Signalführung weg. Da wird das Signal nachdem Eingang gesplittet und direkt auf den Verstärker (5) und den Gleichrichter (4) gegeben. Danach folgt dann auch keine Summierstufe (6) mehr. Bei einem herkömmlichen Deesser fällt der Filter, der das Originalsignal filtern soll (2) zusammen mit der oberen Signalführung raus. Ausserdem wird nur die Spannung, die auf den Gleichrichter (4) trifft, hochpassmässig gefiltert, das zu bearbeitende Signal bleibt Fullrange. So wird das gesamte Signal leiser, wenn die Zischlaute zu laut sind.


Und warum nun das ganze?


Ein einzelner Kompressor macht das gesamte Signal, also sozusagen jede einzelne Spur des Mixes leiser, ein Kompressor im Splitbetrieb nur einen Bereich. Filtert man die Höhen zum Bearbeiten aus einer Vocalspur, hat man übrigens einen viel geileren Deesser, als den oben beschriebenen. Man kann zum Mastern natürlich auch mehrere Fullrange-Kompressoren hintereinanderpacken, um per Regelzeiten unterschiedliche Bereiche der Musik zu bearbeiten. Dann macht einer mit ewiglangen Regelzeiten eine Pegelanpassung und der zweite z.B. mit ganzganz kurzen Zeiten die immer zu laute Snaredrum etc... Man muss schon Hören, was man Komprimieren will. Das machen wir am Besten erstmal.
Ich hab' mich dafür für einen Trailer entschieden, den ich mal für's DSF gemacht habe. Die Sendung hab' ich nie gesehen, deshalb kann er jetzt hier prima herhalten Vorgabe: aggressiv (was man im TV denn so aggressiv nennen kann...), zu temporeichen Bildern, Funsport extrem etc... Die Nummer hier ist der 40sekünder für die Abmoderation mit Logo hintendran. Bis zum Logo isses was für unsere Freunde der elektronischen Abteilung, und ab da wird's dann auch in Al's Ohren rund Das Ding ist übrigens knappe 2-3 Jahre alt... Seht's mir mit dem Sound nach Lange labern und nix sagen! Cool, das mögen wir hier ja besonders gern mix-von-dem-mist-von-dem-ich-schon-dreissig-minuten-sinnlos-abreferiere


Erste Bestandsaufnahme: Bassdrum entwickelt mit dem Bass zusammen zwei Resonanzen, eine bei 126Hz und die andere bei 130Hz. Die erste mit 'ner Notch um die Hälfte reduzieren (6dB) und die etwas höhere um 4 dB steilflankig absenken. Schon besser.


Tja, und dann? Der Drumroll setzt ein und kurz danach ballert die Bassdrum bald doppelt so laut los. Das geht ja ma gaaanich! Hätte man schon im Mix machen können, aber dann hätte man nur das erste Roll lauter machen müssen, da das Drumset genau so in den Mix passt. Und bei dieser Art von Mucke steh' ich nicht so auf Lautstärkeregelungen einzelner Samples... Also: Das muss laut!

Dann der Bass. Sound ist ja ganz nett, aber hört irgendein Mensch das geile Summen von der Röhrenstufe? Ich nicht mehr, seitdem diese leise Filter-HiHat dadrüberfliegt. Muss also auch wieder nach vorne.

Und dann der Einsatz der Gitarren. Hm. Ein bissel übertrieben Laut, der Sprung, oder? Aber mach ich die Gitarren leiser und man hört sich nur die Heavy-Geschichte ohne das Intro an, ist's Drucklos wie "Carmen Queasy" von Skin. Da fehlen auch nochmal knappe 4 dB an Gitarren... Also das ein bissel angleichen.

Und denne... Die Beatbox-Samples. Dieser Ghettoblastersound ist ja ganz geil, aber dieser schmatzige Mittenbereich, der bei dem Ding auch die Maximallautstärke im Mix vorgab, nervt gut ab und lässt die eigentliche Beatbox ein wenig nach hinten rücken.
Naja, und Bassbereich... ääähhhh.... is laut, wenn's möhmt Also da auch ranne.


Das alles auf einmal? Naja, mal schauen, ob das möglich ist. Das Ding mit dem EQ haben wir durch, das einzige ist noch ein Hochpass bei irgendwo zwischen 20 und 30 Hz, kommt auf den EQ an - anhören. Klingt gleich schonmal viel aufgeräumter. Bleiben uns noch 5 Inserts in Wavelab der letzte, das ist ja mal klar, wir mit dem L1 bestückt. Den aber noch artig in Ruhe lassen. Also noch vier. Nochmal in den Track hören... sättigung ist genug drin, also können wir die vier für die Kompressoren nutzen.


Ein Fullrangekompressor würde uns hier nur bedingt weiterhelfen, da er "zuwenig" Aufgaben gleichzeitig erfüllen könnte. Nur für'n Leveler z.B. (um Intro/Abmoderation/Logo anzugleichen).... neee, bei der Nummer tatsächlich lieber vierbandig!


Da ich die neuen Waves-Dinger WIRKLICH Scheisse finde, und eh schon wieder meine alten drauf hab, mache ich jetzt auch mit Screenshots von dem alten Comp 'rum. Hier ist einer:





Nehmen wir doch Nummer eins mal für den Bassbereich.


So, erstmal richtige Betriebsart: Split (1). Was die heisst, hab' ich oben erklärt. Und dann natürlich im Look-Ahead-Mode (2). Damit "weiss" der Kompressor schon ein paar Millisekunden vorher, was für ein Signal als nächstes kommt, und kann sich da seelisch schonmal drauf einstellen Und dann wollen wir doch erstmal hören, was nun im Bass wirklich so los ist. Dazu klickern wir auf den Monitormode (3) und stellen den auf den Sidechain. Preset steht schonmal richtig auf Lopass (4), nur die Frequenz (5) muss noch 'runter. Und der Q-faktor (6), die Flankensteilheit des Filters. Wer jetzt keinen Subwoofer hat, hat 'n Problem. Und wer jetzt ausschliesslich auf NS10 oder 20 mastert, kann den Kompressor für den Bass wieder 'rausnehmen lieber nix machen als irgendwas Und dann drehen wir die Frequenz mal auf knapp über 100 Hz. Q, wie gesagt, ein bissel weniger, um noch mehr Nachbarfrequenzen mitzunehmen, aber nur WENIG. Hören!! Bloss kein gedröhne aus dem alleralleruntersten Mittenbereich mitnehmen, sonst möhmts nachher ungemein. Dieser Kompressor ist NUR für den Bass, also sucht Euch Euren Lieblingsbass mit den Filtern 'raus. Ich habe ihn für meine Verhältnisse hoch angesetzt, glaube, das waren so 120-130 Hz (ist schon 2 Jahre her ) Attack und Release können für einen Basskompressor kurz gehalten werden (unter 50 ms), da der Basssynth nicht gerade den fetten Tiefbass bringt und die Bassdrum auch eher knackig daher kommt. Damit bekommen wir eine präzisere Regelung und für diese Art von Bass/Bassdrum tierisch Kick. Threshold und Ratioeinstellungen kennen wir ja bereits, der Basscomp kann hier ruhig mal 5 dB wegnehmen, die er per Makeup wieder draufbekommt. Und schon schiebt unser Bass, egal ob mit oder ohne Gitarren. Damit haben wir den Bass von dem Gitarrenpart angeglichen und den Bassbereich "aufgeräumt". An Snare, Gitarren, Beatbox etc... hat das noch nix gebracht. Und nur mit diesem einen Kompressor, wenn wir jetzt mal wieder auf Monitor-Audio klickern, ist der Bassbereich schon viel zu Laut. Aber das ist ja das Ziel....


Tiefe Mitten:


So, jetzt geht's um's Gehör und um die geilen Frequenzanzeigen der alten Waves-Kisten. Auch hier wieder Split und Look-Ahead, jetzt den Filter aber auf Bandpass. So. Und nun sollte der untere Bereich gerade da anfangen, wo der Basskompressor aufhört Viel Spass beim Suchen... Also ganz genau hinhören, geht aber auch ganz gut nach optik. Die Flankensteilheit beachten!! Am Besten dabei immer den Kompressor für das nächsttiefere Frequenzband offen haben und vergleichen. Jau, bei diesem Titel knallert in dem Bereich die Snare ganz schön los. Wenn wir die ein wenig leiser bekommen, hebt das bestimmt die Beatbox geil hervor und vor allem den knarrigen Bass. Die obere Grenze des Bandes liegt auch wieder etwas höher, ich denke schneiden tun sich die Flanke und die des folgenden Kompressors so bei 1,5 bis 2 kHz. Attack unter 30 ms, um die Snare mitzubekommen, release entsprechend kurz, um die Beatbox nicht versacken zu lassen. Threshold und Ratio das übliche Spiel. Die Snare so um etwa 3-4 dB killen und mit Threshold/Ratio-Verhältniss eine Kompression um max. 5-6 dB im Gitarrenpart einstellen. Um den lautesten Betrag den Makeupregler aufreissen. Jo, Monitor auf Audio und wir hören... unglaubliches gemöhme! Wie geil, es wird immer lauter!! Und jetzt wird's auch langsam spannend, denn jetzt geht's um die eigentliche Lautstärke, das Obere Mittenband.


Untere Flanke wie üblich (gucken und hören, lieber hören als gucken ), und die obere so wählen, dass die matschige HiHat noch voll mit drin ist, die hohen zischigen und das reverse Cymbal aber nicht mehr. Dieser Bereich lässt die Ohren bluten Hier nerven die Sänger und hier klatscht die Bassdrum. Hier wimmern die Gitarren und hier peitscht die Snare. Kurz: Hier is Achterbahn Wer's RICHTIG laut braucht, macht's hier. Modern Talking z.B. holen die meiste Energie für ihre Radioproduktionen aus diesem Bereich. Und Modern Talking sind LLLLAAAAUUUUUUTTTTT!!!! Attack kommt auf die Rythmussection an. Sind die zu laut? (Snare oder so, dann Attack recht kurz, so vielleicht 10 ms) oder ist's eher der hohe lange Ton vom Leadsänger?? Dann lieber Attack lang (über 20 oder 30 ms) um die Snares durchzulassen, aber dem Sänger den Schreihals zuzudrehen. Release genauso, wieder mal Signalabhängig. Lieber ein bissel kürzer, wir wollen's laut Übrigens... je kürzer die Regelzeiten, um so grösser das Lautheitsempfinden, aber auch schneller Dinge wie "Pumpen" oder "Stauchen". Auch hier kann's ruhig mal eben 4-5 dB bringen, die Kompression. Den Threshold nicht zu hoch ansetzen, lieber eine hohe Ratio. So bekommen wir noch mehr Lautheit im Moderationspart.


Naja, und zuguterletzt noch die Brillianzen. Filter auf Hochpass und los geht's. Auch hier haben die stolzen Besitzer ausschliesslich der NS 10/20 schlechte Karten Jo, und der setzt jetzt genau da an, wo das zischeln anfängt. Zusehen, dass nicht das hohe Pfeiffen von wasweissich mit 'reinkommt (der Mist zwischen 4 und 5 kHz, das können sich die hohen Mitten mit den letzten Ausläufern des Hochpasses teilen...), hier geht's nur um Brillianz!! Wieder hören, um was es geht. Hat der Deesser beim Sänger versagt und jetzt nervt sein schwules sz? Dann Attack etwas länger lassen (über 8-10 ms), um die HiHats nicht zu beeinflussen. Sind die so präsent, dass alles andere Brilliante darin versinkt? Dann Attack und Release sehr kurz, um nur die Peaks der HiHat zu killen. Hier reicht 'ne Kompression von 3-4 dB hin, denke ich.


So, und nun der L1. Den so aufreissen, dass im letzten Teil nicht mehr als 2-3 dB "Dauerdämpfung" auftreten, also nicht die Peaks bei Bassdrum und Snare, sondern die Reduction dazwischen.


Das waren jetzt erstmal die Voreinstellungen, um jetzt an's Eingemachte zu gehen. Bisher haben wir uns auf die richtige Reduktion gestürzt, zugesehen, dass die Bänder genau abschliessen, nach optik Flankensteilheiten justiert und nach Anzeige Ratios eingestellt. Und wie klingt's? Hehehe Auf jeden Fall ist's Ultra laut!! Schaltet mal auf Bypass... Jetzt ist aber die Frage, ob man nicht vielleicht das gemöhme, was vielleicht irgendwo entsteht mit Verschieben der Bänder wegbekommt. Oder einfach die Bänder auseinanderziehen, um die Kompression an nervenden Bereichen auszuschliessen. Jetzt kommen ganz genau die Dinge, die man auch nicht für -zigtausen Mark an der SAE beigebracht bekommt. Ist's jetzt besser oder nur lauter? Laut genug? Schreit oder röhrt jetzt nicht irgendwas? Wie klingt's, wenn ich das so leise höre, dass ich dabei in Ruhe poppen könnte?


Hört's Euch an und entscheidet selbst. Der Track ist genau mit einem Q10, vier C1 und einem L1 gemastert worden.
Die technische Anleitung steht hier. Deckt aber auch wieder nur'n kleinen Bereich ab. Denn nach wie vor geht's um's hören... (Mal wieder geile Abhören hypen )


Ein paar grundlegende Dinge noch zum Schluss:


- Nimm nur soviel Bänder wie nötig, um den Sound nicht unnötig zu verbiegen

- hören, was zu laut ist, um's wegzudrücken, oder was zu leise ist, um's vorzuholen, danach richten sich die Bänder und die Zeiten

- mit Zeiten und Bändern kann man ganz bestimmte Instrumente bearbeiten. Mit dem Monitor den Frequenzbereich 'raussuchen und mit den Regelzeiten die Hüllkurve des Instrumentes formen.

- Nach der ersten Grundeinstellung, die wir hier gerade durchgekaut haben, erstmal den Equalizer nachregeln, da jetzt vielleicht die nächsten nervenden Frequenzen auftauchen. In unserem Beispiel fing's bei 3500 Hz oder so an, zu pfeiffen. War die Beatbox nach der Kompression. Notchfilter auf die Frequenz und gut.

- Wer 'ne amtliche Vierbandkompression mit Equalizer in unter 4 Stunden schafft, ist'n Faker



So, jetzt kann ich mich selber nicht mehr labern hören. Ich hoffe, ich konnte mehr Klarheit als Verwirrung stiften,


Viele Grüsse, boom.



[...]



 

Hi Leutz!

Gestern hat mich der Frank von der Fruityland-Seite angeschrieben und mich gefragt, ob ich noch ein paar Info's zu diesem Thema für Ihn hätte. Haben uns dann darauf geeinigt, dass ich das hier für Euch veröffentlichen darf. Also Hergehörcht

Ein paar Dinge kann ich Dir beantworten. Mal schauen. Ich hacke das zwischen Deinen Text, O.K.?



Woher in aller Welt weißt du (hörst du), das die bassdrum mit dem bass zusammen eine Resonanz bei 126 Hz erzeugt? Diese Dinge sind mir ein wenig unklar. Was meinst Du eigentlich mit Resonanz? Wie hört man die raus?




Tja, die muss man leider wirklich hören. Deshalb meine ich auch, dass man ein gutes Mastering nur in stundenlanger Arbeit hinbekommt. Erst wenn Du einen Track zum 250ten Mal gehört hast, und das in verschiedenen Abhörsituationen*), hörst Du genau diese Resonanzen**). Mir macht es die Sache natürlich noch einfacher, da ich den Track ja selber auch schon gemischt und produziert habe und somit echt jedes Instrument einzeln schon in- und auswendig kenne. Wenn Du Deine Anlage bis auf's letzte kennst, macht's Dir die Sache einfacher. Ausserdem hilft die Multibandkompression. Denn einerseits hebst Du genau solche Resonanzen dadurch heftig an, andererseits musst Du lange einzelne Frequenzbereiche hören, während Du die Trennfrequenzen einstellst. Und dann hört man die Resonanzen und Formanten in dem Bereich besonders schön, da dann wenig zum Verdecken da ist. Meist mache ich diese EQ-Einstellungen genau während der Trennfrequenz-Einstellerei. Oder danach, wenn die Bereiche komprimiert sind. Dann die Formanten (Mischen-Forum) und Resonanzen (Erklärung kommt gleich) absenken, und danach nochmal an die Kompressoren ran.

*) Damit meine ich verschiedene Sitzpositionen, verschiedenen Lautsprecher (mind. 2 Paar brauchst Du an einem Masteringplatz...) und verschiedene Tracks zwischendurch hören.

**) Resonanzen sind erstmal sowas wie Formanten. Das ganze beschreibt die Eigenschaften von Klangkörpern. Also den Grundsound. Klar, 'n Piano ist'n Piano. Aber warum? Und warum klingt ein Steinway anders als ein Yamaha? Das machen die Formanten und Resonanzen aus. So, und jetzt hab' ich mich, wie in diesem Beispiel für eine Bassdrum entschieden, die einen Formanten bei 12irgendwas Hz hat. Wenn jetzt der Bass z.B. genau ein H spielt, würde sich der Grundton des Basses mit der Bassdrum doppeln. Also nimmt man die Frequenz einfach mehr oder weniger zurück, um dieses "Resonieren" zu verhindern. Meist ist der Formant von der Bassdrum dann eh zu heftig, und wenn man den killt, kann man sie durch gezielte kompression wieder rummsen lassen. Es können sich aber natürlich auch ausschliesslich Formanten doppeln, und dann beisst's meistens. sowas sollte natürlich schon im Mix behoben werden, kann aber Schadensbegrenzungsmässig auch im Mastering passieren. Resonanzen können übrigens auch immer wieder andere Dinge, wie auch Geräte zum Schwingen anregen. Wenn man die Resonanz auf einer superkurzen Bassdrum anhebt, wird das Ding plötzlich 'ne Sekunde und länger! ( So bekommt man aus natürlichen Bassdrums diese uuuuultralangen und tiefen Drum'n'Bass-Bassdrums hin!)

Der Unterschied zwischen Resonanz und Formant ist der, dass auch Dinge, die keine Schallquellen sind, resonieren können. Als Beispiel: Bassdrum. Die eigentliche Schallquelle ist das Fell. Dieses Ding hat Formanten und Resonanzen. Die Trommel selber hat ausschliesslich Resonanzen.



Ich selbst hab meine Tracks für Clubs schon gemastert. Nur leider hab ich immer wieder "gedröhne" mit drin (du sagst wohl gemöhme dazu . Und so werden natürlich andere Sounds verdeckt. Im Club merk ich dann, das dadurch natürlich die "griffigkeit" des tracks verloren geht (er geht halt nicht so in die Beine). und es klingt auch alles langsam und träge und es drööööööhnt . Ich denke, wenn ich das "gedröhne" wegbekomme, hole ich "akkustisch" wieder 3 - 4 BPM raus und dann hab ich die Sache eigentlich im Griff. Die lautheit ist nicht das Problem bei mir, nur eben das Klangbild "perfekt" zu säubern.



Genau das, was ich eben erklärt hab. Deine eigentlich knackige, kurze Bassdrum wird ein langes, schmieriges Ding durch die Kompression. Da hilft nur, die Resonanz oder den Formanten zu killen.



Was sind eigentlich die Haupt-Problem-Frequenz-Zonen? 90 - 140 Hz? 4 - 8 KHz? Kann man das so sagen?




Hm. eigentlich nicht. das hängt vom titel ab. Ich denke, das ist auch persönlicher Geschmack. Ich bin am empfindlichsten so ab 2,5 kHz bis etwa 4,2 kHz. Da nervt's mich am meisten (Schneiden). Und in den tiefen Mitten, 200-600 Hz (Pappe und Gemöhme). Danach dann Bassbereich, so 90-160 Hz (Gedröhne und Gemumpfe) und Höhenbereich, so 4,5 bis 8 kHz. (Singende Frequenzen).



Also, hast Du vielleicht ein paar kleine Tips, wonach ich mich richten kann, wenn ich mit Hilfe des EQ's vor dem mastern das Audiosignal säubere / sättige?




Jau, wie gesagt, mit dem Trick mit den Multibandkompressoren wirst Du schon weiterkommen. Denn die blenden alles aus, was Du gerade nicht hören willst. Man kann das nat auch über einen extra EQ regeln, aber die Multibandkompressoren sind ja eh schon drin, ausserdem arbeiten sie genau in dem relevanten Frequenzbereich, den Du da gerade säuberst.



Kannst Du mir eventuell das Preset für den EQ Q10 von Waves schicken, das du für DSF trailer verwendet hast? Mich würden mal die exakten Einstellungen von dir interessieren.




Sorry, nicht mit gesichert. Ist auch schon uralt das Dingen...


Okay, ich hoffe, ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen, viele Grüsse, boom.