Jau, hier isser endlich! Der laaaang ersehnte Hall-Workshop!!
Wie immer vorneweg die ultratrockene Theorie, aber zieht die Euch bidde bidde 'rein. Erspart mir nachher bei der Preset-Section blöde Laberei (Begriffserklärungen) und Euch gibt's das Werkzeug in die Hand, Hallgeräte nicht als reine Presetschleudern zu betrachten.
Okay. Was ist Hall? Hall ist der Oberbegriff für einen komplexen akustischen Vorgang, der durch Reflexionen der Umgebung verursacht wird. Ganz genau, es geht um Reflexionen des Direktsignals, also DELAYS. Hall ist also technisch gesehen ein reiner Verzögerungseffekt.
Um die ganze Sache besser zu durchschauen, hat man den Hall in drei Bereiche unterteilt. Das sind "Direktsignal", "Erste Reflexionen" und "Nachhall". Klären wir erstmal, was hier was ist.
Dazu ma erstmal wieder was für die Optik, dann ist's besser zu verstehen.

Direktsignal: Das ist das direkte Signal, was von der Schallquelle wiedergegeben wird und das Ohr auf ungehindertem Wege erreicht. Der ist am allerwichtigsten für die räumliche Ortung. Ausserdem muss der Pegel ausreichend hoch sein, um Sprachverständlichkeit zu ermöglichen. Klar, beim Konzert über PA muss der auch hoch genug sein, damit man der ganzen Sache überhaupt noch folgen kann.
Erste Reflexionen: Auch "Early Reflections" genannt sind die nächsten Impulse, die das Ohr erreichen. Die zasammen mit dem Direktschall machen die empfundene Lautstärke einer Schallquelle aus. Für die rechts-links-Ortung nicht mehr so relevant machen sie aber die Entfernung zur Schallquelle klar. Die Early Reflections (weiterhin ER) können mal locker doppelt so laut sein wie das Direktsignal, ohne dass die R-L-Ortung beeinträchtigt wird. Durch den Frequenzverlauf der ER kann aber auch ein erster "Raumeindruck" vermittelt werden. So ist z.B. ein Wohnzimmer, was mit Teppichboden ausgelegt ist und mit Sofa's, Sesseln und anderem "weichen" Material vollsteht, in den ER eher dumpf, ein gekachelter Raum (Scheisshaus, Küche...) oder ein betonierter Raum (Keller) ist dagegen sehr höhenlastig was die ER's angeht. Die Dinger können aber auch irre Probleme bereiten. So z.B. bei Konzerten, wenn die ER's länger als 50-60 ms (sind in etwa 20m) auf sich warten lassen. Dann sind sie als deutliche Delays wahrzunehmen und zermatschen das Signal reichlich. Sind sie kürzer als 20ms und dazu noch recht laut, dann können sie eklige Klangverfärbungen verursachen (vgl. Phaser/Chorus/Flanger...Kammfiltereffekt).
Nachhall: Das ist der Bereich, wenn ER's zu einem diffusen Schallfeld werden, also keine einzelnen ER's mehr zu hören sind. Dieser Bereich ist sehr komplex was den Raumeindruck angeht.
Einerseits: Zusammen mit den ER's machen sie die Raumgrösse und -form klar. Stellt es Euch einfach mal wieder bildlich vor. Ihr habt einen Raum, der ewig lang ist, aber nur einige Meter breit und noch weniger hoch. Dann kommen die ER's sehr schnell wieder zurück (Wände dicht neben der Schallquelle), der Nachhall ist aber mehrere Sekunden lang. In einer Kirche, die ja sehr hoch und sehr breit ist, kommen die ER's spät zurück UND ich habe eine lange Hallfahne. Also so erstmal nix für die Ortung, aber für den Raum selbst sehr wichtig. Klar, auch hier ist die Klangregelung des Hallsignals wieder für die "Beschaffenheit" des Raumes ausschlaggebend. Wobei hier ein starker höhenanteil eher unnatürlich ist. In Betonierten Hallen (riesige Kellergewölbe als Beispiel) haben ja die ER's einen eher (verhältnissmässig) hohen Höhenanteil, allerdings fällt der in der Hallfahne schnell ab und übrig bleibt eine sekundenlange Fahne, die sich fast ausschliesslich im Bassbereich abspielt.
Andererseits gibt das Delay zwischen Direktsignal und Hallfahne die Entfernung zwischen Schallquelle, Zuhörer und Raum an. Beispiel: Ich hab' eine Ballade und will den Sänger dazu in eine Kirche stellen. Drehe ich jetzt aber ausreichend Hall auf die Stimme, rückt mein Sänger im Raumeindruck nach hinten, bis er irgendwann hinter der Band zu stehen scheint. Ist Kagge, klar. Also einfach mit dem Delay der Hallfahne den Sänger wieder 'ranholen. Wie das geht? Ihr dreht das Delay auf ( >100ms)und dadurch holt Ihr den Sänger wieder 'ran, da Ihr ihn "aus dem Raum holt". Das gibt den Effekt (bei richtiger ER-Einstellung...), dass der Zuhörer an der Stirnseite der Kirche steht, der Säger kurz vor ihm, und DAHINTER ist dann die fette Kirche mit ihrem Hall. Vorher hat der Zuhörer irgendwo mitten in der Kirche gestanden und der Säger weit entfernt auch irgendwo in der Mitte.
Ach... zum Nachhall noch... Die Zeit gibt an, nach wieviel Sekunden der Schalldruckpegel des Hallsignals um 60 dB gefallen ist. Danach werden auch Studioräume beurteilt. Da der Nachhall aber über den gesamten Frequenzbereich unterschiedlich ist, gibt man eine mittlere Nahhallzeit an. Hier mal'n Zerfallsspektrum für eine mittlere Nachhallzeit von 1,0 sek. in einem durchschnittlichen Raum:

Der Perfekte Studioraum (egal ob Regie oder Recordingkabine) hat 0,2 sec. Eine Zeit von 0,3 sec. ist zwar der Broadcasting-Standart, aber irgendwie haben sich 0,2 sec. echt bewährt (vor allem für diesen "modernen" Sound).
Jo, damit haben wir den ersten Teil der Theorie ma durch. Denn ma auf zum zweiten Teil, Erzeugung oder besser Imitation...
Erste Möglichkeit, Hall zu erzeugen, waren die Hallräume. Das waren spezielle Räume, in denen man einen Lautsprecher und ein oder zwei Mikrofone hatte. Wände und Böden waren besonders glatt beschaffen, den Sound und die Nachhallzeit konnte man durch verschiedene Stellwände oder die Mikro/Lautsprecheraufstellung beeinflussen. Klar, was'n Aufwand das war. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Raum ja keinerlei Geräusch von aussen hereinlassen darf, also Raum in Raum Konstruktion. Dann MINDESTENS 80 qm gross undundund... echt heftig!
Danach kam man auf die Hallspirale. Das ist einfach eine Metallspirale, die auf der einen Seite durch eine Spule angeregt wird. Die fängt jetzt an zu schwingen und reflektiert das Signal einfach zwischen beiden Enden hin und her. Auf der anderen Seite wird das Signal dann verhallt wieder abgegriffen.
Durch verschiedene Absorber neben der Feder und unterschiedliche Wicklungsgrössen innerhalb der Feder hat man den Sound variiert. Klar, klingt nach Blecheimer. Hat aber einfach einen eigenen Sound so'n Ding. In vielen Gitarrenamps ist sowas noch zu finden. Mit dieser Methode kann man die drei Dimensionen eines Raumes gerade mal in einer Dimension wiedergeben. Für Stereo hat man einfach eine zweite Hallfeder eingebaut. Hallzeiten liegen eigentlich bei max. 4 sek.
Das nächste, was erfunden wurde, war der Plattenhall, das Preset findet man heute noch in allen Hallgeräten. Nennt sich dann "Plate" und ist durch seine Höhenlastigkeit ein vor allem auf Vocals ganz gerne gesehener Effekt. Das ist einfach eine Metallplatte von mindestens 1x2m, die wieder mit einem Erreger und zwei Empfängern ausgestattet ist. Das Signal wird durch den Erreger auf die Platte gegeben und an den Kanten reflektiert. Diese Reflexionen werden dann wieder von den beiden Empfängern abgegriffen. Mit dieser Methode konnte man immerhin schonmal zwei der drei Dimensionen eines Raumes nachempfinden. Durch bedämpfung mit einer zweiten Platte konnte man die Hallzeit variieren, mehr als 4 sek. sind aber auch hier nicht drin. Das ganze gab's dann nochmal mit einer Goldbedampften Folie, nennt sich in den heutigen Geräten logischerweise "Gold-Plate". Sound ist nicht ganz so "blechern", man hört aber trotzdem noch deutlich, wie das Signal erzeugt wurde. Gebaut werden die Dinger schon lange nicht mehr, aber in einigen Studios stehen sie immernoch 'rum. Denn es geht halt nix über 'ne ECHTE Gold-Plate 
Okay, als nächstes waren dann die Digitalen Hallgeräte erfunden. Hatte ich ja schonmal angesprochen im Delay-Workshop. Diese Dinger sind nämlich einfach nur sehr komplex aufgebaute Delays. Dort arbeiten dann einfach mehrere Delaystrecken parallel, die aufwendig miteinander verschaltet sind und über ein ausgetüfteltes Feedback-System verfügen. Hier mal'n Übersichtsschaltplan von einem Hallgerät mit vier Delaystufen:

Je weniger man dort Entwicklungsarbeit bzw. Programmierarbeit investiert, umso beschissener klingt der Hall nachher. Mal im Ernst, ich würde eine gute Hallspirale dem Steinberg-Wunderverb in JEDEM Falle vorziehen. Klingt 100% nartürlicher und weicher! Auch das Waves Trueverb klingt eigentlich "recht dürftig". Das hört man an der "Dichte" des Halls. Dadurch, dass das Hallsignal ja eigentlich auf eine Rechenoperation reduziert wird, und in diesen Routinen echter Zufall nicht möglich ist, entsteht bei ausreichend langer Hallfahne immer irgendein synthetischer Beigeschmack. das TrueVerb ist schon gut, keine Frage, aber wer mal in den Genuss eines Lexicon 480L mit zwei Engines gekommen ist, dem ist klar, dass sowas heutzutage per Software oder Hardware für unter 5.000 nicht zu regeln ist. Im Prinzip stecken in der Kiste (480L) einfach zwei Prozessoren mit einer Leistung vergleichbar mit jeweils einem 386er. Also nix eigentlich dolles. Aber die Dinger sind einfach ultra optimiert und arbeiten ausschliesslich als Delays! Und jetzt überlegt mal, was für komplexe Delaystrukturen mit zwei von solchen Engines möglich ist!! Okay, der Preis für die Kiste ist mit 25.000 echt ein wenig übertrieben, aber es hat trotzdem bislang noch kein anderer Hersteller geschafft, ein ähnlich geil klingendes Ding für einen Bruchteil des Preises zu realisieren. Wirklich, es ist der Hammer! Pure Vocalspur, Lexicon drauf und als fertige Produktion abgeben!
Denn danach ist jedes weitere Instrument überflüssig und verdeckt nur diesen höllegeilen Hall!!

Die allerneuste Generation von Hallgeräten basiert auf sogenannten Impulsantworten. Das ist'n Ding für fette Rechner. Dazu geht man in beliebige Räume und nimmt dort eine Impulsantwort. Dazu schickt man ein äusserst lautes und möglichst über den gesamten Frequenzbereich konstantes aber vor allem extrem kurzes Signal in den Raum und nimmt die "Antwort" des Raumes auf. Die wird dann softwaremässig analysiert und aus dieser Antwort wird dann auf beliebiges Signal der Raumeindruck errechnet. Als Impuls nimmt man amtlichstens eine Statische Entladung, also eigentlich einen fetten Blitz. Somit kann man natürlich suuupergenau jegliche Hörsituation simulieren. Das ganze ist für den Consumermarkt noch nicht zu haben.
Okay, soviel zu den einzelnen Hallerzeugern. Noch ein letztes Mal Theorie-Kagge, und dann lass' ich Euch damit in Ruhe
Machen wir doch mal 'ne Parameter-Liste Da liste ich jetzt mal alle möglichen (und unmöglichen) Parameter von digitalen Hallgeräten auf. Um's zu veranschaulichen, hier ein Screenshot von einigen Softwarekisten (zum Parameter-Gucken
) Da das hier alles zu gross gewesen wäre, einfach auf das Pic klicken, dahinter ist ein Link auf die fette Version...
Input/Output-Level: meist in dB, Möglichkeit zur Dämpfung des entsprechenden OP's, um interne Übersteuerungen zu vermeiden.
Wet/Dry-Level: Das Mischungsverhältniss zwischen dem "Nassen" (Wet) Signal, also der reine Effekt, und dem "Trockenen" (Dry) Signal.
Decay, Time, Decaytime, Lenght: Hallzeit in sek.
Size, Dimension, Roomsize: Raumgrösse, meist im m³, oft aber auch Phantasie-Einheiten
Width, Spread, ER Delay: Delay der Early-Reflections, dadurch "Weite" des Raumes
Diffusion, Density: "Dichte" oder "Undeutlichkeit" der Hallfahne (Raum, in dem der Schall häufig gebrochen wird)
Damp, Brightness, Damping, HiShelf, Colour: Equalizer für die Hallfahne, meist einfache Höhenabsenkung
PreDelay, Delay: Delay des Nachhalls (komisch umschrieben mit "Entfernung des Raumes")
Shape: Hüllkurve auf dem FX-Signal, somit kann man z.B. langsam ansteigende ER's erzeugen, um noch weitreichender in das Signal einzugreifen, bis hin zu völliger Umkehr des Signals für spezielle Effekte (Gated-Reverb-ähnliche...)
FrequencyRolloff: In einigen Professionellen Geräten kann man z.B. noch das Nachhallverhalten für bestimmte Frequenzbereiche bestimmen, um noch intensivere Eindrücke zu vermitteln.
Balance: Balance zwischen ER's und Nachhall
So, ich denke, das waren so die wichtigsten und häufigsten Parameter. Erst wenn Ihr das da alles Begriffen habt, denke ich könnt Ihr mir jetzt durch die Preset-Abteilung folgen 
Jau, endlich mal praktische Anwendung. Hörbeispiele und so, und was gibt's für Tricks etc...
Aber erst geh' ich endlich ma was essen... geht gleich weiter... 
[...]
Jau. Smilies und Grafiken funzen wieder, denne ma los

Erstmal was
auf die Ohren dachte ich, zur Entspannung nach dem ganzen
Theorie-Mist...
Dazu hab' ich Euch erstmal demonstriert, was ich eh schon
immer predige... ALLES PUR AUFNEHMEN!! Bei den
Whoopee-Recordings könnt Ihr Euch bestimmt vorstellen, was die
Band-Members für'n Wert auf ultranatürlichen Sound legen.
Trotzdem haben wir z.B. die Chackagitarre pur aufgenommen, und
ich konnte diesen Vintage-Spiral-Schweine-Hall, den eigentlich
ja echt nur'n Amp hinbekommt, nachträglich machen. Dazu hab'
ich mir mit dem Wunderverb3 ausgeholfen, weil's echt einfach
das schlechteste ist
Die Einstellungen, die ich gewählt habe, waren Size: 0.24
Decay: 0.86 Damp: 0.39 Dabei hört man so richtig schön, wie
simpel das Ding geproggt ist. Aber dieses wie geloopt
klingende Geeiere
von dem Ding
simuliert in dieser Geschwindigkeit (geringer Size Wert bei
langer Hallzeit) prima das Rumgezappele der Hallspirale.
Rechts geht die Klampfe furztrocken los, und faded dann nach
links, auf das nasse Signal. Beide sindse MONO. Hergehörcht.
So,
weiter geht's.
Zu den nächsten Beispielen
will ich noch sagen, dass das nicht alles so suuuperdeutlich
vor die Fresse gemischt ist, wie beispielweise in den Keys-
oder den Keyboards-Workshops, sondern eher so, wie man's auch
im wirklichen Leben in den Mix setzen würde.
Als erstes
möchte ich Euch mal demonstrieren, warum man für eine einzige
Mischung locker vier bis sechs Hallgeräte braucht. Klingt
jetzt vielleicht bescheuert, hat aber seinen Sinn. Wie gesagt,
Beispiel-Files von der CD. Fängt an mit einer Snaredrum, die
durch ein Gated-Reverb geschickt wird. das ist ein reverb mit
endlos langer Hallfahne, die einfach nach ein paar
Millisekunden von einem Gate abgeschnitten wird. Ein echtes
Gated-Reverb schneidet das Signal knallhart ab und klingt auch
ansonsten um einiges "aggressiver", ich wollte es aber zum
Song passend etwas softer haben, also hab' ich wirklich ein
Hallpreset erstellt, und die Fahne per Gate abschneiden
lassen. Hat ausserdem den Effekt, dass das GR auf leiseren
Instrumenten einfach auch kürzer ist. Hört Ihr an den zwei
unterschiedlichen Snare-Sounds. Vom Stereopanorama hab' ich
das Hallsignal hart begrenzt, da ich schon sehr viele extrem
Stereo-mässige Spuren für den Track hatte und die Hallfahne
sonst einfach nur noch mehr Matsch gemacht hätte. Erstmal die
trockene Variante, nach vier Takten kommt dann das GR drauf.

Jau, dann mal
das zweite Hallgerät. Damit setze ich jetzt eine Chorspur und
ein paar Background-Skats etwas "in den Raum hinein", um ihnen
die Direktheit zu nehmen, und räumlichen Platz für andere
Instrumente zu schaffen. Dafür habe ich eine Halle von
ziemlich grossen Ausmassen programmiert und die Hallzeit auf
etwa 2,8 sek. gesetzt. Der Equalizer steht auf einem gesunden
Mittelmass. Nicht dumpf, nicht Höhenlastig. Die Snare kommt am
Schluss nochmal dazu. 
Jawoll. Nun
füllen wir den Track mal mit einem Drumset auf, was mit einem
eigenen Hallgerät etwas weiter nach hinten gesetzt wird. Als
Preset habe ich einen grossen, nicht so kahlen Raum gewählt,
und das dann editiert. Hallzeit ist hier nicht so lang (unter
1,8 Sekunden) und ER's überwiegen eher. Auch der Equalizer
lässt mehr Höhen passieren, damit wirkt der Raum "frischer"
und gibt einen schönen Kontrast zur Hallfahne der
Backing-Vocal-Spuren. Geht bei diesem Hallgerät doch mehr um
den Raumeindruck. Zu einem geringen Teil gehen die Snaredrum
und Overhead/Hihat-Geschichte noch an das andere Hallgerät, um
die Homogenität zu erhalten. 
Jau, und nun das
vierte Gerät. Das steht auf einer Vocal-Plate und macht den
Leadvocals eine schöne Fahne ohne zu matschen. Hallzeit hier
in etwa 2,5 sek. Hier hab' ich genau den Trick mit der
Delayzeit angewand, um den Sänger nicht zuweit "nach hinten"
rücken zu lassen, sprich die steht auf irgendwas um 150ms oder
so. Den Höhenbereich der Fahne hab' ich etwas beschnitten,
wäre sonst wieder nicht "weich" genug gewesen. Ansonsten hab'
ich das Preset nicht gross verändert. 
Ja, wo wir
schonmal bei dem Delay sind... Hör'n wir uns das doch mal an!
Zuerst die "falsche" Version. Die ersten vier Takte sind die
Vocals völlig trocken und stehen so richtig über dem Mix. Die
folgenden vier Takte legen wir ein Hallpreset auf die Vocals,
mit dem die Stimme ohne den Rest der Musik schön warm und
"hallig" klingt. Erstmal hinhöän. 
Jau. Und dabei
fällt uns genau auf, wie die Stimme im räumlichen Bild nach
hinten rückt. Für diesen fetten modernen Sound brauchen wir
die Vocals aber eigentlich gaaaanz vorne. Also schrauben wir
jetzt von demselben Hallprogramm die Predelayzeit hoch. Im
ersten Moment klingt's wie "weniger Hall", aber hörcht mal
genau hin. Die Stimme ist genauso "nass" wie vorher, aber halt
einfach weiter vorne, halt vom Hall entkoppelt. Fliegt vom
Sound genauso geil, wenn nicht noch besser, matscht aber nicht
in der Mitte des Raumes irgendwo 'rum...
Nun denn. Als
näxtes will ich Euch nochmal zeigen, wie denn nun ER's und
Hallfahne genau klingen, damit Ihr mal wisst, was ich mit
"Raum" und was mit "Hall" meine. Dazu gibt's 'n Drumset, von
dem die Snare erst furztrocken, dann mit ER's, dann mit Hall,
und anschliessend mit ER's und Hall laufen. Erst die letzten
vier Takte bringen den wirklichen Raumeindruck, die anderen
beiden Versionen klingen einfach nur "irgendwie Effektbeladen"

Jau. Und zum
Schluss nochmal die Demonstration, dass ich hier keinen Mist
labere mit räumlicher Staffelung und so... hier mal in gaaanz
deutlich. Ist alles mit einem einzigen Hallgerät gemacht.
Vorher noch die Staffelung:
ganz vorne sind die
Bassdrum, Skat's, Tambourine und die erst spät auftauchende
HipHop-HiHat. Ganz vorne heisst komplett trocken.
Kurz
dahinter ist die Fläche und die Single-Note-Gitarre, die auch
erst sehr spät dazukommt.
Direkt dahinter steht das
Natural-Drumset, flankiert von den Chören.
Jau, und
gaaaanz hinten (ausschliesslich auf "Wet") sind die
Congas.
Am besten mitten in's Stereodreieck von den
Speakern setzen, Augen zu und genau so vorstellen. 
Ist kein tolles
Hallgerät (eins von den Digitech...), aber wie man hört, kann
man solche Spielereien auch schon mit einem einzigen Hallgerät
machen. Professionelles Zeug ist ausschliesslich mit einem
Hall eigentlich so gut wie nie zu realisieren. So. Über die
Theorie wisst Ihr jetzt fast alles, aus der Praxis hab' ich
Euch'n paar Gedankenanstösse gegeben, nun bastelt ma schööön

Unter
Umständen mache ich nochmal Nachträge, wenn mir noch wirklich
wichtiges Praxiszeug einfällt, was ich gerade nicht so
überblicken kann. Wenn Ihr noch spezielle Anfragen habt,
einfach drauflos 
Viele Grüsse vom
boom.
[...]
Heyho!
Jau,
und denn leg' ich mal nochmal los. Faltungshall basiert auf
einer Art Analyse eines realen Raums, und zwar hauptsächlich
in Abhängigkeit von der Zeit und dem Frequenzverlauf. Die
Techniker unter uns werden das als "Impulsantwort" kennen,
denn diese Analyse macht man mit Audiogeräten, Lautsprechern
und allen anderen Übertragungsstrecken auch. Nur sind das
einfacher zu messende Strecken. Vorne eine Millisekunde White
Noise (weisses Rauschen) 'rein und hinten Ergebnisse 'raus.
Und bei einem Raum? Den müssen wir natürlich auch anregen. Und
das mit einem Signal, was so kurz als möglich ist und
möglichst, wie weisses Rauschen auch, den gesamten
Frequenzbereich gleichmässig abdeckt. Sollte da irgendwo eine
"Beule" im Frequenzgang sein, führt die natürlich nachher,
auch wwenn sie in der Messung berücksichtigt wird, zu
Messfehlern. Wie oben beschrieben, ein Blitz einer
elektrischen Entladung kommt der Sache schon recht nahe. So.
Nun regen wir den Raum an. Ist aber die Frage, wo. Und wo
nehmen wir das Signal mit welchen Micros wieder ab? Da kommen
die nächsten Messfehler. Niemand kann exakt vorhersagen, WO
denn nun genau das Drumset in meiner Produktion stehen soll,
und WO sich der Zuhörer aufhält. Also kann man natürlich nur
einige Möglichkeiten nehmen, wobei die nächsten Fehler
entstehen. Klar, der Frequenzverlauf und das Impulsverhalten
der Messmikrofone spielt die nächste grosse Rolle. Wie gesagt,
hier geht's plötzlich nicht mehr ausschliesslich nur um den
Frequenzbereich von Geräten. Wenn die kleine Membran des
Messmikros nicht mit dem harten Impuls klarkommt, is Essich.

Nächste
Fehlerquelle in unserem Spiel ist der Mikrofonvorverstärker
und der Wandler. Rauschen? Impulsverhalten? Frequenzbereich?
Klirrfaktor? etcetcetc... Und bei der Aufnahmekiste dasselbe
Spiel.
So. Das wird nun alles aufgenommen und
analysiert. Und zwar aufgrund von Frequenzverlauf in
Abhängigkeit der Zeit und Laufzeitstereophonie. Der Begriff
beschreibt das Vermögen des Ohres, Schallquellen nur aufgrund
Ihrer Laufzeit zu orten. Deswegen haben wir auch zwei Ohren.
Und die liegen einige Zentimeter auseinander. Der Schall
braucht dann zu einem etwas länger, was das Hirn rafft und
umsetzt. Ausserdem ändert natürlich auch noch der Kopf mit den
Haaren selber den Frequenzverlauf des Signals für das
abgewandte Ohr. Und nachdem man diese Signale dann analysiert
hat, kann man das natürlich nun auf jedes beliebige Signal
umrechnen. Das funktioniert dann mithilfe der
FALTUNG.
Bei der Faltung werden über mathematische
Operationen diese Informationen in das Originalsignal
eingerechnet. Das ganze wird mithilfe der FFT
(Fast-Fourier-Transform) realisiert. Darüber mache ich nochmal
einen extra Thread, passt hier nicht wirklich 'rein. Dadurch
entstehen aber schon wieder die nächsten Fehler! Denn diese
Art der Analyse ist halt mit heutigem Rechenaufwand nur
bedingt realisierbar. Die Berechnung des Effektes kann aber eh
nicht in Echtzeit erfolgen, da das Impulssignal für die
Zeitliche Analyse natürlich ersteinmal einen kompletten
Durchlauf absolvieren muss. Somit ergibt sich eine minimale
Latenz von der Dauer des Impulses.
Jau, jetzt wird
langsam klar, was es für einen imensen Aufwand erfordert, auch
nur halbwegs brauchbare Impulsantworten von beliebigen Räumen
anzufertigen. Naja, und wir sehen mal wieder, dass es nachher
auch wieder nur von der Fähigkeit des Programmiers der
Analyseroutine und von der Rechenleistung des Rechners
abhängt, wie geil's klingt. Jau, das sind so meine Info's, die
ich über Faltungshall hab'. Alles andere über Hall steht
eigentlich schon oben in dem Thread, ansonsten wäre noch eine
sehr neue und spezifische Anwendung 'n Hallgerät in
Surround-Technik. Ist halt'n Vierkanaliges Gerät, was auch
wirklich alle vier Kanäle parallel mit in die Hallerzeugung
einfliessen lässt, um möglichst realistisch die reflexionen
abzubilden, die bei komplexen Panoramaeinstellungen entstehen.
Naja, und die Ausgabe ist dann auch wieder Vierkanalig. Früher
hiess das "Quattro". Kenne ich sogar noch von der uralt-Anlage
meiner Eltern!
Der
Hall für diese Geschichte konnte sogar (vom Prinzip her) mit
der Hallplatte simuliert werden, indem man einfach vier
Abnehmer draufgeklebt hat. Aber halt doch nur sehr, sehr
beschränkt...
Okay, jetzt haben wir so'n tolles
vierkanal-Hallgerät. Und nun? Jetzt brauchen wir natürlich
auch ein Surround-Mischpult, was die AUX-Wege über eine
vierkanal-Panoramaeinheit ansteuern kann. Gibts noch gar
nicht. Nichtmal auf Softwarebasis. Bisher gibt's immer nur
maximal die Stereo-Send-Version. Und auch die in vielen Fällen
eher Pseudomässig. Ist dann doch die Monosumme auf zwei
Kanälen. Jau, bis es echte Surround-Mischpulte geben wird,
wirds (hoffendlich) keine Mischpulte mehr geben, ich denke,
diese Dinge werden ausschliesslich im Rechner realisiert
werden können. Bei einem Surround-Pult braucht man schon ein
Plugin, um die Panorama-Einstellung vernünftig zu regeln.
Dabei kreiselt man halt mit einem Joystick zwischen einer
beliebigen Anzahl Lautsprechern hin und her und das ganze wird
in Abhängigkeit vom Pegel, und bei wirklich noblen Dingern
auch in Abhängigkeit von der Laufzeit un den Reflexionen auf
die Anzahl der kanäle entsprechend dem Standard (Pro Logic,
5.1, 7.1 etc...) auf den Master ausgegeben. So. Diese gesamte
Einheit müsste man aber eigentlich nun in einer
vierkanal-Variante als AUX-Send einbauen. Wahnsinn, oder?
Vielleicht als Plugin, volldigital in drei-vier Jahren...
Okay, soviel erstmal.
Viele Grüsse vom boom.