Heyho!
Jau, aus gegebenem Anlass werde ich mal langsam anfangen, und alle möglichen Effektgeräte mit ihren Funktionen, Wirkungsweisen und Sounds auflisten. geht los mit den
Verzögerungseffekten
In diese Kategorie gehört eigentlich fast alles hinein, vom Flanger über Phaser bis zum Pitch-Shifter. Auch das Hallgerät ist eigentlich ein Verzögerungseffekt, weil das aber ein so extrem komplexes Thema ist, lassen wir das hier mal 'raus.
Okay. Wieso Verzögerungseffekte? Die grundlegende Wirkungsweise all dieser Geräte liegt darin, das Originalsignal zu einem Teil in einen "Speicher" zu schicken, um's dann mehr oder weniger Verzögert wieder zuzumischen. Wobei "Speicher" nicht unbedingt klar definiert ist. In den Anfängen hat man z.B. als Speichermedium einfach ein Magnetband benutzt. In der Praxis sah das so aus, dass man eine Endlos-Bandschleife auf einem Recorder laufen liess und dort per Aufnahmekopf das Signal aufgespielt hat. Kurz hinter dem Aufnahmekopf sass ein Wiedergabekopf, der das Signal wieder abgetastet hat. Durch die Bandgeschwindigkeit und den Abstand der beiden Köpfe zueinander konnte man jetzt die Delayzeit bestimmen. Komplexe Effekte wie Harmonizing sind damit natürlich nicht zu erzielen.
Als nächstes kamen die sog. Eimerkettenspeicher, eine "analoge" Form der Schallspeicherung, in dem das Signal durch viele einzelne Stufen geschickt wird, um es zu Verzögern, halt wie bei dem Unterschied zwischen einer Wasserleitung und einer Kette aus Menschen, die sich das Wasser in Eimern weiterreichen. Daher auch der Name. Naja, allein aus der Beschreibung kann man schon fast "hören", wie übel der Effekt klingt... War Ende 70er Anfang 80er der grosse Renner. Logisch, dass auch damit nicht die komplexesten Effekte zu erzielen sind.
Delay
Naja und heutzutage erzeugt man die
Delays logischerweise Digital. Dabei wird das Signal richtiggehend digitalisiert und in einem Speicher abgelegt. Klar, je grösser der Speicher, desto länger die Delayzeiten. Bei "semiprofessionellem" Gerät wie Digitech, Yamaha etc... sind Delayzeiten zwischen 1 und 2 Sekunden normal. Die richtig fetten Kisten, wie TC oder SONY machen da mal eben -zig Sekunden draus. Sind also eigentlich schon kleine Sampler. Denn den Speicher kann man nat auch mit vielen einzelnen Tönen vollspielen, die man dann über irgendwelche Trigger wieder abruft. (MIDI, Footswitches, etc...)
Für Effekte wie Flanger oder Phaser etc. ist natürlich nicht die Speicherkapazität von Bedeutung, hier kommt es viel mehr darauf an, dass die Geräte geile Wandler haben. Bei Soundkarten weinen alle 'rum, wenn das Ding mal'n bissel rauscht, aber hört Euch mal Profigeräte, die schon ein paar Tage älter sind, an!! Gab z.B. mal ein Äusserst geiles DYNACORD-Multieffektgerät mit 4 Engines, also 8in/8out, zu dem sich fast jeder gleich ein entsprechend 8-Kanaliges Noisegate dazubestellt hat
Das, was wir bisher besprochen haben, erzeugt immer genau eine Wiederholung des Signals. Mehrfache Delays bekommt man, indem man das Signal am Ausgang zu einem geringen Teil wieder dem Eingangssignal zumischt, also sozusagen "Rückkoppelt". Das macht man heutzutage mit der Einstellung "Feedback", wobei die Werte eigentlich grundsätzlich in Prozent angegeben werden. heist ein Feedback von 50% lässt jedes Delay um genau die hälfte leiser werden, als sein "Vorgänger".
Okay, damit wäre das normale Delay schon fast abgehandelt, es gibt natürlich noch jede Menge anderer Parameter. Z.B. kann man den Ausgang im Panorama verschieben oder auch eine Höhenabsenkung vornehmen. Das dient dazu, um den alten Bandecho-Effekt zu erzielen, bei dem ja (Magnetbandbedingt) der Höhenbereich für jede Wiederholung weiter beschnitten wurde. Der HiCut ist aber auch ganz schön, um Delays mehr in der Musik verschwinden zu lassen, da z.B. die Zischlaute eines Sängers nicht mit wiederholt werden, der "Ton" aber doch. In Verbindung mit einem geilen Hallgerät bekommt man so die "weitesten" Vocalsounds hin, da sich Delay (am besten Stereomässig) und Hall zu einem geilen Teppich verweben, der, entkoppelt vom Originalsignal, die Direktheit der Stimme belässt (also nicht weiter nach "hinten" in den Raum rein verschiebt), trotzdem aber schön anfängt zu fliegen. Dabei sollte man zusehen, dass die Einzeldelays eigentlich gar nicht mehr als Einzeldelays wahrzunehmen sind. Bei Gitarrensolos ist das Delay ein Standarteffekt, lange Delayzeit und hohe Feedbackwerte lassen Gitarrensolos erst so richtig "singen". In Drumpattern und Arpeggios kann man mit einem Delay geile rythmische Pattern erzeugen, indem man das Delay "in Time" auf verschiedenen Zählzeiten zurückkommen lässt. Als Beispiel führe ich hier nochmal das Trancepattern aus dem Arrangement-Workshop an, allerdings nicht wegen des Arpeggios, sondern wegen der Percussion-Sektion. Eigentlich ist das nicht viel mehr als drei HiHats im Techno-Style und einem SideStick auf 2 und 4. Und jetzt achtet mal, was dieser Sidestick nicht noch so alles spielt... gemacht ist das mit einem Delay, welches links jede dritte 16tel und rechts jede fünfte 16tel wiederholt. Mom... ich spiele mal eben kurz 'n paar neue Pattern aus, zum Vergleichen. Erst läufts pur, dann irgendwann pur mit Beat, und dann verdichte ich das Pattern durch das beschriebene Delay. Gibt's
hier auf die Ohren.
Jau, ich denke, das sollte für's normale Delay erstmal reichen.
Phaser/Flanger
Nächste im Bunde ist der "Kammfiltereffekt", oder auch
Phaser genannt. Vor der digitalen Gerätewelt hat man das mit "Allpass-Netzwerken" geregelt, die einfach nur Phasenverschiebungen erzeugten. Heutzutage schickt man das Signal in ein Delay, was sich im Bereich von 1-2 ms bewegt. Somit tereten genau diese Phasenschmierereien auf wie bei den Allpassnetzen. Geschieht dadurch, indem sich beim Zusammenmischen von Original- und verzögertem Signal einfach bestimmte Frequenzen auslöschen, und zwar wie ein Kamm über das gesamte Frequenzspektrum verteilt. Moduliert man jetzt das Delay, so verschieben sich auch diese Kämme und man erhält diesen typischen "Phasingsound". Der
Flanger arbeitet im Endeffekt genauso, nur dass hier die Delayzeit einfach ein wenig höher ist. Und dass hier ein Parameter zum Einsatz kommt, den man im Phaser nicht so häufig verwendet, nämlich den "Feedback"-Regler. Ist dasselbe Prinzip wie beim normalen Delay, nur dass diese Feedbacks so schnell hintereinander kommen, dass es einen sehr "metallischen" Sound gibt. Modulation der Delayzeit bedeutet auch hier wieder Veränderungen der Filtereffekte im Frequenzspektrum.
Parameter bei diesen Geräten:
Delay: klar, die Verzögerung.
Intensity oder
Depth: Grad der Änderung des Delays
Speed: Geschwindigkeit, mit der das Delay um seinen Mittelwert herum bewegt wird
Feedback (Flanger): Höhe des rückgekoppelten Signals
Man kann diese Effekte auch verwenden, um Instrumente "in die Breite" zu ziehen, indem man das Originalsignal auf den rechten und das verzögerte Signal auf den linken Speaker legt. Beim Phasing "wandert" das Signal dann regelrecht im Raum herum. Aber vorsicht! Bei monofoner Wiedergabe löschen sich die Signale dann gegenseitig teilweise oder vollständig aus, so dass für Radio- und TV-Produktionen diese Effekte nicht so krass Links/Rechts getrennt eingesetzt werden. Beim extremen Einsatz solcher Effekte IMMER MIT DEM MONOSWITCH AM MISCHPULT GEGENHöREN!!!!
Chorus
Der
Chorus ist wohl der am häufigsten eingesetzte "Breitmacher". Ursprünglich dazu gedacht, mehrere Musiker zu simulieren. Dazu wird das Signal ähnlich wie beim Phaser/Flanger verzögert, allerdings in Grössenordnungen 10 ms aufwärts, und zusätzlich noch in der Tonhöhe moduliert. Das ganze passiert kontinuierlich, so dass eine ständige Modulation das Signal weniger "synthetisch" klingen lassen soll. Die Weiterentwicklung war der "Symphonizer" oder "Ensemble-Effekt", bei dem mehrere Verzögerungs- und Pitchingengines zum Einsatz kommen. Die Signale werden dann auch wieder im Stereopanorama verteilt, um halt einfach viele Musiker zu simulieren. Auch hier auf Monokompatibilität achten!!!
!!!WICHTIG!!!
Wichtig bei diesen ganzen "Breitmachern" ist, dass man sie möglichst nur auf einzelne Instrumente anwenden sollte. Will man mehrere Instrumente z.B. mit einem Flanger belegen, empfiehlt es sich, tatsächlich für jedes Instrument einen eigenen Flanger einzusetzen mit natürlich unterschiedlichen Einstellungen, einfach um Soundbrei zu vermeiden. Und nicht alles gnadenlos damit zukleistern, dann wird's undurchsichtig, da keine präzise Stereoortung der einzelnen Instrumente mehr gegeben ist. Eigentlich versinkt dann alles im Matsch. Und "breiter" wird's dadurch auch nicht, da überhaupt kein Bezug mehr da ist, was denn nun "breit" eigentlich ist. Also: Hier ist auch mal wieder weniger mehr! Lieber einen wirklich geilen Phaser auf die Singlenotegitarre, einen Hauch Chorus auf die Akustikwanne, und dann fliegt's!! Beide Effekte auf beiden Instrumenten (und dann womöglich noch zuviel davon...) matscht's wieder nur zu einem Brei.
Pitcher
Jo, und der vorerst letzte im Bunde ist der
Harmonizer oder auch
Pitch-Shifter. jau, das Ding beruht tatsächlich auf einem Delay!! Erklärung ist ganz einfach. Stellt Euch vor, Ihr steht an einer Strasse und ein Krankenwagen mit Sirene kommt mit hoher Geschwindigkeit vorbei. macht mal die Augen zu und stellt Euch den Sound vor. Singt ihn am besten mal. Und? Genau, wenn der Wagen auf Euch zufährt, ist der Ton um einiges höher, als wenn das Ding genau an Euch vorbeirauscht, und wenn er vorbei ist, sackt die Tonhöhe rapide in den Keller. Woran liegt das? Schall braucht eine gewisse Zeit, um sich auszubreiten. Naja, und das Auto fährt ja auch noch. Somit werden also die Schwingungen immer weiter auseinandergezogen/gedehnt, je weiter das Auto weg ist. Bei Annäherung passiert dasselbe, nur halt umgekehrt. Da werden die Wellen gestaucht, die Frequenz also höher. Wie wir sehen, beruht also auch auf dem Prinzip der Verzögerung. Nennt sich übrigens Doppler-Effekt. Machen tut man das in der Audiotechnik, indem man das Signal in ein Delay schickt, und die Delayzeit kontinuierlich und gleichmässig vermindert, z.B. von 50 ms auf 0 ms. Bei 0 springt das Delay ganz schnell wieder auf 50 ms zurück. Wie bei einer Sägezahn-Schwingung. Somit herrscht eine kontinuierliche "Annäherung" des Signals.
Das Problem ist nur, dass bei dem Sprung zwischen den beiden Delayzeiten sog. "Glitches" auftreten. denn logischerweise kommt ja ein Teil des Signals (Delays) doppelt vor, bzw. fehlt ganz. Um das zu vermindern werden also auch noch die beiden Werte, zwischen denen das Signal moduliert, nun auch noch moduliert. dazu wird einfach die Struktur des Eingangssignals ausgewertet, um halt die Glitches dann auftreten zu lassen, wenn sie nicht mehr stören können. Hier wird auch klar, welche Anforderungen an hochwertige Pitch-Shifter gestellt wird, und es wird auch klar, dass das Pitching irgendwo eine Grenze haben muss, bevor das Signal nur noch zerhackt und "ratterig" klingt.
Okay, soviel zu den einzelnen Verzögerungseffekten. Wie gesagt, Hall mache ich'n Extra-Thread, ist vieeel zu Umfangreich....
Viel Spass beim 'rumfrickeln wünscht Euch der boom
