Hey Gideon! Sei auch Du herzlich begrüsst in unserer bescheidenen Runde
Ich fange ma erstmal mit diesem Workshop hier an, den anderen dann morgen...
Aber einiges in diesem Tutorial hier beantwortet einige Deiner Fragen im anderen Forum. Von daher...
Okay, nu aber los. Hab' mich für 'ne ganz einfache Kiste entschieden, damit's echt jeder nachbasteln kann. ist bestimmt 'ne prima Basis, um da weiter dran zu frickeln. Gemacht ist's mit Cubase ohne den Arpeggio-synth, denn so kann jeder was damit anfangen. Ich denke, eine Beschreibung von Arpeggiatoren können wir uns sparen, dafür gibt's Manuals. Aber wie mache ich so'n Ding mit einer einfachen MIDI-Software, einem simplen Synth und ein paar Effekten fett? Das ist spannender, denke ich.
Okay. Das ganze Ding ist in C moll. Um's mir ultraeinfach zu machen, habe ich einfach die Töne eines C-moll-Vierklanges von oben nach unten abgespielt, und das ganze einfach wiederholt. Was ist C und was ist Moll? Okay, ich denke, C ist wohl allen, die hier 'rumsurfen klar. Zu einem Akkord gehören dann aber doch ein paar mehr Töne, als allererstes die Oktave auf dem Grundton (wieder C, 12 Halbtonschritte nach oben), die Quinte (7 Halbtonschritte nach oben, in unserem Falle das G), und zu unserem Moll natürlich noch die Mollterz (3 Halbtonschritte nach oben, hier ist's das Eb), alles vom Grundton aus gerechnet. Wollt Ihr das Ding in Dur machen (klingt fröhlicher, nicht so "dunkel"), so nehmt einfach anstatt der Mollterz die Durterz, das sind 4 Halbtonschritte vom Grundton aus gerechnet. Bei C wäre es das E. Mit diesen Halbtonschritten könnt Ihr das Pattern in jeder Tonlage nachbauen, einfach immer nur die Schritte nach oben zählen.
Da das übliche Tempo zum Einspielen natürlich viiieeel zu schnell ist, hab' ich das Tempo einfach erstmal halbiert, um das Pattern halbwegs sauber in den Rechner zu bekommen. Danach dann Quantisieren (in diesem Fall 16tel) und anschliessend auf eine gleichmässige Länge bringen. In Cubase geht das unter: Funktionen -> MIDI -> Notenlänge. Wenn Ihr da "feste Länge" angebt, werden alle Noten auf die Länge gebracht, die unter "Quantisierung" eingestellt ist. Also hier auch wieder 16tel. man kann die Dinger nat auch kürzer machen, um einen staccato-mässigeren Effekt zu erzielen (z.B. 32tel oder 32. (punktiert), ich wollte es aber weich und rund haben. Nach der Reinigungsaktion sah das dann so aus:
Als Sound habe ich einen nicht besonders anspruchsvollen Werkssound eines Softwaresythesizers genommen, um zu demonstrieren, dass man nicht die allerfettesten Kisten braucht, um was halbwegs brauchbares hinzubekommen. Klingen tut das ganze bisher noch
so. Ordentlich popelig, nicht wahr?
Okay. Das ganze habe ich dann erstmal auf das richtige Tempo gebracht, hab's hier mal mit 135 bpm versucht. Damit klingt das ganze schon einen Hauch mehr nach Musik. Wäre dann
das hier.
Ist aber immernoch recht schrecklich, nicht wahr? Nunja, dafür gibt's ja Modulatoren und Effekte. Die Velocitie habe ich auf 127 bei allen Tönen aufgerissen, und dann einige wieder etwas zurückgenommen, um ein leicht rythmisches Gefühl zu erzeugen. Bei Arpeggios arbeitet man gerne mit Triolischem Feeling, daher habe ich mein eh schon supergerades 16/16tel-Feel durch Triolische Betonungen ein klein wenig aufgelockert. Sieht im Velocity-Fenster so aus:
Um die ganze Sache etwas lebendiger zu gestalten, habe ich das Modulationsrad einen HAUCH aufgedreht, ich denke in MIDI-Steps wären das nicht mehr als 10 oder 15 von 127 gewesen. Hängt aber nat auch vom Sound ab, wie dolle der anfängt 'rumzueiern. Das soll er natürlich nicht! Das so MIDImässig schon etwas lebendigere Pattern habe ich dann als allererstes durch einen Filter gejagt, einen Lowpass mit 24 dB Flankensteilheit und einer leichten Resonanz auf dem Cutoff. Die Cutoffrequenz lasse ich durch einen LFO ganz langsam modulieren, um noch etwas mehr Bewegung zu bekommen. Dagen lasse ich einen Ringmodulator laufen, dessen Frequenz von demselben LFO gesteuert wird, wie der Cutofffilter, nur "invers". Also geht der Filter in die Knie, während der Ringmodulator aufdreht. Das ganze muss natürlich in einem Sinnvollen Verhältniss stehen, nicht einfach blind alles an Effekten draufklatschen, was die Kiste hergibt
Einen Teil des Signals gebe ich noch auf einen Autopanner, um die ganze Sache noch Stereomässig 'rumwackeln zu lassen. Normalerweise sehe ich zu, dass ich das reine Signal für solche Panningspielchen nehme, um eklige Phasenschweinereien zu vermeiden. War mir aber gerade in der Kürze der Zeit nicht vergönnt, man möge es mir nachsehen...

Also wandert jetzt das "Wet"-Signal incl. Cutoff- und Ringmodulator zu einem kleinen Teil in den Autopanner. Weiterhin habe ich noch einen Flanger als Sendeffekt draufgelegt, aber nur ultrawenig. Gaaanz genau hinhören, wenn Ihr anfangt, solche dicken Effektverkettungen zu machen!! Denn hier geht's ganz schnell mit fetten resonanzen los! Stellt Euch vor, die Frequenzen vom Flanger, vom Ringmodulator und die Resonanz vom Cutoff liegen durch Zufall mal kurz übereinander....

Um's nun noch ein bissel "fliegen" zu lassen, habe ich ein ultraprimitives Hallgerät angesteuert, wobei ich die Reverbzeit auf "schöne" 2,5 sek. gedreht habe, das Predelay allerdings sehr hoch gestellt habe (über 100 ms), um das Arpeggiosignal vom Hallsignal zu entkoppeln. Somit rückt mein Arpeggio akustisch trotz Hall im Raum nicht nach hinten, fängt aber trotzdem leicht an zu schweben. Naja, und um's so richtig abzurunden habe ich noch ein Delay angesprochen, welches genau in Time (135 bpm) im 4tel Rythmus auf der Linken Seite jeweils jede dritte Viertel wiederholt, und eins, was auf der rechten Seite jede 5. Viertel wiederholt. Die Feedbackzeiten habe ich so eingestellt, dass keins der Delays länger verzögert, als das andere. Sprich das 3/4tel Delay hat etwa 35% und das 5/4tel Delay unter 25%.
Nochma fett betonen, dass diese Effekteschlacht wirklich notwendig ist, aber nieeeeemals übertreiben! Alle diese Effekte spreche ich immer nur äusserst gering an, um keinen Matsch zu erzeugen, das Signal aber vielfältig modulieren zu lassen. Also ganz genau hinhören!
Okay, nun aber endlich das bearbeitete Arpeggio.
Das hier isses.
Der Bass darunter ist auch wieder einer der popeligsten Sounds, den peppen wir mal eben mit einem ganz kleinen Bisschen Verzerrung und einem Envelope-Follower auf. Hab' die Freeware "Northpole" dafür verwendet. Das ganze schicke ich noch zu einem gaaaanz kleinen Teil auf das Delay, um den Bass auch ein wenig fliegender hinzubekommen. Hört man so gut wie gar nicht, muss aber so sein. Sonst bekommt Ihr Probs im Bassbereich, da sonst alles anfängt zu möhmen. Also auch hier wieder absolute Vorsicht walten lassen! Klingt dann alles in allem erstmal
so.
Jau, das kann's aber so ja ma noch nicht sein. Stupide oder was! Stellt Euch das ma 5 1/2 Minuten lang vor! das erträgt man nicht mal in anderen Umständen!!
Deswegen fangen wir mal an, das Arpeggio an sich zu modulieren. Da ich keinen ganzen Song machen wollte, sondern echt nur auf C-Moll rumdaddeln wollte, hab' ich mich entschlossen, die Harmonische Modulation tatsächlich ausschliesslich durch Verschiebungen innerhalb des C-Moll-Akkordes zu verwirklichen. Dazu hab' ich das Pattern viermal hintereinander kopiert, und das zweite und dritte pattern leicht abgewandelt. Aus dem zweiten Akkord habe ich ein C moll7 gemacht, was bedeutet, dass die Oktave (12 Halbtöne, gleichzeitig aber auch 8 Ganztöne über dem Grundton) einfach um einen Ganzton vermindert wird. Also aus acht mach sieben. Sind dann nur noch 10 Halbtonschritte, in unserem Falle das Bb. So sieht's aus:
Die "weissen" Notes sind die, die ich einfach markiert und verschoben habe. Jau, und als zweite Variation mache ich aus dem C moll 7 einfach ein C moll 7 9
Wenn die Sieben die Oktave um einen Ganzton vermindert, was macht dann 'ne Neun?? Genau! Da wir aber unsere 7, das Bb, nicht wieder hergeben wollen, machen wir doch die Änderung direkt am Grundton. Also nehmen wir das untere C und schieben es einen Ganzton oder auch zwei Halbtöne 'rauf auf's D. Sieht dann genau so aus:
Die markierten sind wieder die zuletzt verschobenen. Im vierten Pattern schliesst sich der Kreis wieder und ich löse wieder in ein reines C-moll auf. Klingen tut das Ganze mittlerweile
so.
geht schon langsam in die Richtung Arpeggio, oder?
Okay. Damit Ihr das Ding noch ein wenig für Euch variieren könnt, zeige ich Euch nochmal zwei Möglichkeiten, die eigentlich in Arpeggios immer gut kommen. Einmal das vorhin angesprochene reine Dur, was so aussieht:
Und dann noch einen Akkord, der sich c sus4 nennt. Dabei wird die Durterz einfach um einen Halbtonschritt angehoben. Sieht genau so aus:
Eine Idee von einer sinnigen Abfolge wäre:
c-Moll ; c-moll 7 ; c-moll 7 9 ; c sus4 (evtl. 7 oder 9) ; c-dur
wobei der letzte Dur 'ne Geile Auflösung für einen Refrain wäre, der schön sonnig daherkommt, um dann zur Strophe wieder in's düstere Moll zu fallen.
Jau. das war EIN EINZIGER Weg, wie man Arpeggios erstellen kann. Es gibt noch -zig andere! z.B. dass die Basis eines Arpeggios ein Delay ist. Dazu muss man aber am besten ausschliesslich mit externen geräten (Hardwaresynthies, Mischer, externe FX.Kisten) arbeiten. Dann stellt man sich ein geiles rythmisches Delay ein, sucht sich ein paar nette Tasten die passen (die von mir aufgezeigten Akkorde bieten sich eigentlich in jeder Umkehrung und jeder Tonart für Arpeggios an), und spielt eigentlich eher sparsam und sehr rythmisch auf den Tasten, so dass sich im Zusammenhang mit dem Delay ein interessantes Pattern ergibt. Die wirkliche Spielfreude kommt da aber echt eigentlich erst mit Hardware-Outboardgerät auf.
Gibt natürlich noch 1000 andere Möglichkeiten, aber mit der hier habt Ihr erstmal 'n bissel was zum Spielen

Sind echt die absoluten Basics, versucht einfach, ein bissel zu variieren! geht weg von dem 16/16tel und macht 'n triolisches Pattern draus, indem Ihr z.B. das untere C weglasst, und so immer nur drei 16tel spielt. Könnte dann
so klingen. Wie Ihr seht, hier fängt's langsam an, interessant zu werden... Macht Euch die Birne frei und werdet kreativ

Viel Spass beim 'rumprobieren wünscht Euch der boom.